Die Autoindustrie ist einer der führenden Zweige der russischen Wirtschaft, deren Umsatz über dem aller anderen Branchen des Maschinenbaus liegt. Dennoch ist der direkte Anteil der Autoindustrie am russischen BIP nicht sehr groß - er liegt bei etwa 1%. Trotzdem sind in der Branche über 150.000 Menschen beschäftigt, zusätzlich schafft die Automobilindustrie bis zu 4,5 - 5 Mio. Arbeitsplätze in der chemischen, metallverarbeitenden und Elektronikindustrie, bei Automobilzulieferern, und in einer Reihe weiterer Wirtschaftszweige, deren Wohlergehen direkt vom Zustand der Autoindustrie abhängt.

Im Jahr 2012 wurden in der Russischen Föderation 1,85 Mio. Leichtfahrzeuge hergestellt, davon sind 562.100 (eine Abnahme um 9% gegenüber 2011) Autos russischer Marken und 1.287.900 (eine Zunahme um 22% gegenüber 2011) Fahrzeuge ausländischer Marken. Außerdem wurden 380.000 Fahrzeuge anderer Typen hergestellt, einschließlich von Lastkraftwagen und Sondertransportern. Der gesamte Fahrzeugmarkt des Landes lag 2012 bei 2.759.000 Leichtfahrzeugen, womit er nach dem Verkaufsvolumen weltweit den sechsten Rang einnimmt.

Historische Entwicklung

Das erste Auto wurde in Russland schon 1896 gebaut, in einer gemeinsamen Bemühung der Fabriken Frese und Yakovlev. Dennoch fehlte bis zur Revolution eine Autoindustrie im Russischen Zarenreich fast gänzlich, ihr einziger Vertreter war die Russisch-Baltische Wagonbaufabrik in Riga, die 451 Fahrzeuge produzierte.

Die erste vollwertige Autofabrik in Russland war AMO Moskau (heute AMO ZIL), die ab 1924 in kleinen Serien Lastfahrzeuge herstellte. Im Jahr 1931 wurde die AMO vollständig umgebaut für die Massenfertigung von Kraftfahrzeugen und ab 1932 nahm das Werk GAZ in Gorki (Nischni Nowgorod) den Betrieb auf, das sowohl Leicht- als auch Schwerfahrzeuge mit einer Lizenz des Unternehmens Ford herstellte. 1947 liefen im Moskauer Werk für Kleinautos (im Weiteren AZLK) die Bänder an, das auf von Deutschland erhaltenen Maschinen die sowjetische Kopie des PKWs Opel Kadett herstellte. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurden zahlreiche Automobilwerke in anderen Regionen gebaut (so zum Beispiel die Autofabrik in Zaparozhye, die die kleinsten und günstigsten sowjetischen PKWs herstellte, oder der LKW-Produzent Autowerk Ural), doch ein großer Teil der Produktion entfiel weiterhin auf die drei genannten Unternehmen.

Das änderte sich plötzlich, als 1970 eine gigantische Autofabrik in Toljatti den Betrieb aufnahm (heute AVTOVAZ), und 1979 ein ebenso großes Werk für Lastkraftfahrzeuge in Nabereschnyje Tschelny (KAMAZ). Das Werk in Toljatti wurde mit den Mitteln der Firma Fiat gebaut und ausgestattet und stellte den Fiat 124 her, der schnell zum beliebtesten PKW im Land wurde und viele Modifikationen erlebte (die Produktion der letzten Variante wurde erst 2012 eingestellt). Bald ging das Werk auch zu eigenen Modellen über, die beste darunter war der leichte Geländewagen Niwa, einer der ersten Geländewagen weltweit mit selbsttragender Karosserie. Die Kama-Autofabrik stellte Schwerfahrzeuge mit einer einzigartigen Bauweise her, die bis in die 90er Jahre keine Konkurrenten auf dem russischen Markt hatten.

Der Übergang zur Marktwirtschaft fiel den sowjetischen Autogiganten schwer, mit Ausnahme von VAZ. AZLK (Moskvich) wurde geschlossen, ZIL fuhr seine Produktion auf ein Minimum herunter, GAZ stellte die Herstellung von Leichtfahrzeugen ein. Dennoch hat sich im letzten Jahrzehnt die Situation in vielerlei Hinsicht gebessert, dank dem allgemeinen Wachstum der russischen Wirtschaft und der Zusammenarbeit mit internationalen Autokonzernen.

 
 

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