Die russische Medienbranche ist erst mit dem Beginn der Marktreformen Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts entstanden und sofort zu einem relevanten Wirtschaftszweig aufgestiegen. Heute ist der russische Medienmarkt mengenmäßig der drittgrößte in Europa, außerdem weist er eine beeindruckende Wachstumsdynamik auf. So betrug 2012 das Gesamtvolumen des Werbemarktes (ohne Außenwerbung) etwa 260 Mrd. Rubel oder 8,5 Mrd. US-Dollar und teilte sich folgendermaßen auf:

  • Fernsehen – 143,2 Mrd. Rubel;
  • Internet – 56,3 Mrd. Rubel;
  • Printmedien – 41,2 Mrd. Rubel;
  • Radio – 14,6 Mrd. Rubel;
  • Sonstige Medien – 4,9 Mrd. Rubel.

Im Jahr 2013 sind die Zahlen gestiegen und in den ersten neun Monaten (Januar-September) betrug die Gesamtzunahme 11,5% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und der gesamte Umsatz der drei Quartale betrug etwa 200 Mrd. Rubel oder fast 7 Mrd. US-Dollar:

  • Fernsehen – 108 Mrd. Rubel;
  • Internet – 48,8 Mrd. Rubel;
  • Printmedien – 26,5 Mrd. Rubel;
  • Radio – 11 Mrd. Rubel;
  • Sonstige Medien – 2,9 Mrd. Rubel.

Wie ersichtlich wird, folgt Russland den weltweiten Trends, wobei das Fernsehen den Medienmarkt unumstritten anführt, aber allmählich vom Internet eingeholt wird und die übrigen Arten von Medien ihre Attraktivität verlieren oder ebenfalls ins Internet gestellt werden.

Eine Besonderheit des russischen Medienmarktes stellt der große staatliche Einfluss dar, der sowohl formell, über zahlreiche normative Regeln in dem Bereich, als auch informell, mittels Medienkonzernen, die sich direkt oder indirekt in staatlicher Hand befinden ausgeübt wird, sowie über die Beeinflussung der nicht-staatlichen Massenmedien durch den Staat. Außerdem muss auch die territoriale Konzentration festgestellt werden – fast der gesamte Fernsehmarkt wird von föderalen Fernsehsendern kontrolliert und regionale Fernsehfirmen erfreuen sich keiner nennenswerten Nachfrage vonseiten der Zuschauer. Eine ähnliche Situation ist auch in den übrigen Medienzweigen zu beobachten, allerdings ist dort die Dominanz der zentralen Medien nicht ganz so ausgeprägt. Dennoch liegen sowohl beim Internet als auch bei den Printmedien die gesamtrussischen Unternehmen mit deutlichem Abstand vorne.

In weniger als einem Vierteljahrhundert hat der russische Medienmarkt den Weg von einem quasi gänzlich staatlichen Sektor Ende der 1980er über den Aufbau der ersten Medienimperien in den 1990er Jahren und wieder zu einer deutlichen Verstaatlichung in den 2000er Jahren zurückgelegt. Nichtsdestotrotz existieren auf dem russischen Markt derzeit eine Reihe von Medienkonzernen und einzelnen großen Medien, die auch einen großen Teil des Marktes kontrollieren.

Die Beteiligung des Staates am Geschehen auf dem Medienmarkt ist nicht nur auf seine Funktion als Regulierungsbehörde oder Eigentümer einer Reihe von Medienunternehmen beschränkt. Der Staat stellt einen der größten Auftraggeber auf dem Markt dar (besonders auffällig beim Kinomarkt) und bietet Medienunternehmen auch gezielte finanzielle Unterstützung durch direkte Subventionen oder Beihilfen für die Erstellung von Medieninhalten (Fernsehprogrammen, Artikelzyklen und Ähnlichem), die von sozialer und kultureller Bedeutung sind.

Wichtigste Marktteilnehmer

Gesamtrussisches staatliches Fernseh- und Radiounternehmen - staatliches Mediaholding, Nachfolger des zweiten Kanals des sowjetischen Fernsehens. Hauptvermögen:

  • Fernsehkanal Rossija-1 (vielformatiger Sender);
  • Fernsehkanal Rossija-2 (Sportsender);
  • Fernsehkanal Rossija-K (Kultursender);
  • Fernsehkanal Vesti-24 (Sender mit Nachrichten rund um die Uhr);
  • Fernsehkanal Karussel (Kinderkanal);
  • Fernsehkanal Sport (kostenpflichtiger Sportsender);
  • Fernsehkanal RTR-Planeta (Satellitenversion des Senders Russland-1);
  • Radiosender Radio Rossija (vielformatiger Radiosender);
  • Radiosender Mayak (Talk- und Unterhaltungssender);
  • Radiosender YFM (Jugendmusiksender);
  • Radiosender Vesti FM (Informationssender);
  • Radiosender Kultura (Kultursender);
  • Internetportal vesti.ru (Nachrichtenportal);
  • Internetportal sportbox.ru (Internetportal für Sportübertragungen);
  • Regionale Fernseh- und Radiosender in jedem Subjekt der Russischen Föderation.

Pervyi Kanal ist ein staatliches Fernsehunternehmen, Nachfolger des ersten Kanals des sowjetischen Fernsehens. Vermögen:

  • Fernsehsender Pervyi Kanal (vielformatiger Sender, beliebtester Fernsehsender des Landes);
  • Fernsehfirma Pervyi Kanal. Vsemirnaya Set (Fernsehfirma, die die Übertragung des Fernsehkanals Pervyi Kanal (Kanal Eins) ins Ausland durchführt).

Nationale Mediengruppe – privates Medienholding, verfügt über keinen ausgeprägten kontrollierenden Aktionär. Hauptvermögen:

  • Fernsehsender Kanal Pyatyi Kanal (vielformatiger Fernsehsender, der lange der Regionalsender von Sankt Petersburg war);
  • Fernsehsender REN TV (vielformatiger Fernsehsender);
  • Inhaber von 25% der Aktien der Fernsehfirmen Pervyi Kanal und STS Media;
  • Radiosender Radio Peterburg (vielformatiger Radiosender);
  • Zeitung Izvestiya (gesellschaftspolitische und Wirtschaftszeitung);
  • Zeitung Zhizn (Boulevardpresse);
  • Radiosender Russischer Nachrichtendienst (Nachrichtensender);
  • große Zahl spezialisierter Printmedien und Internetportale.

Gazprom-Media Holding – Mediaholding, das dem Unternehmen Gazprom gehört (dessen Eigentümer wiederum der Staat darstellt). Hauptvermögen:

  • Fernsehsender NTV (vielformatiger Fernsehsender, früher: Nachrichtensender);
  • Fernsehsender TNT (Unterhaltungssender);
  • Unternehmen NTV-Plyus (System von Satellitenfernsehen);
  • Radiosender Ekho Moskvy (Nachrichten- und Talksender);
  • Radiosender Comedy Radio (Comedysender);
  • Radiosender Relax FM (Musiksender);
  • Radiosender City-FM (Nachrichtensender);
  • Radiosender Detskoe Radio (Kinderradio) (Kindersender);
  • Verlag Sem Dney (Reihe von Printmedien mit Nachrichten und Unterhaltung);
  • Videohosting RuTube.

ProfMedia Business Solution – privates Mediaholding, gehört der Interros-Gruppe. Hauptvermögen:

  • Fernsehsender TV3 (Unterhaltungssender);
  • Fernsehsender 2 x 2 (vielformatiger Fernsehsender);
  • Fernsehsender Pyatnitsa! (Unterhaltungssender);
  • Internetportal Rambler (Suchmaschine und Medieninternetportal);
  • Internetportal Lenta.ru (Nachrichteninternetportal);
  • Kinounternehmen Central Partnership;
  • Radiosender Avtoradio (Musikradiosender, auf Autofahrer ausgerichtet);
  • Radiosender NRJ (Musiksender);
  • Radiosender Yumor FM (Comedysender);
  • Verlag Afisha (Reihe von Printmedien mit Unterhaltungscharakter).

RBK – privates Mediaholding, gehört der Oneksim-Gruppe. Hauptvermögen:

  • Fernsehsender RBK-TV (Fernsehsender mit Wirtschaftsnachrichten);
  • Internetportal RBC.ru (Wirtschafts- und Nachrichtenportal);
  • Internetportal Autonews.ru (Autointernetportal);
  • Zeitung RBK Daily (wirtschaftliche Tageszeitung);
  • Journal und Internetportal CNews (Nachrichten der Spitzentechnogie);
  • Verlag Salon-Press (Wohnzeitschriften).

Kommersant – privates Mediaholding, gehört Alisher Usmanov. Hauptvermögen:

  • Zeitung Kommersant (wirtschaftliche Tageszeitung);
  • Zeitschrift Dengi (Zeitschrift über Business und Finanzen);
  • Zeitschrift Vlast (gesellschaftspolitische Zeitschrift);
  • Zeitschrift Avtopilot (Autozeitschrift);
  • Zeitschrift Sekret Firmy (Businesszeitschrift);
  • Radiosender Kommersant FM (Informationssender).

STS Media – privates Mediaholding, gehört dem schwedischen Unternehmen Modern Times Group und der Nationalen Mediengruppe. Vermögen:

  • Fernsehsender STS (Unterhaltungssender);
  • Fernsehsender Domashniy (Unterhaltungssender);
  • Fernsehsender Perets (Unterhaltungssender);

Gesondert hervorheben sollte man auch die Nachrichtenagenturen, wie ITAR-TASS, RIA Novosti (befindet sich gerade in einem Umstrukturierungsprozess) und Interfax.

 
 

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